Pressemitteilung der PDS-Ratsfraktion v. 15.06.05 Staub in der Luft, Sand in den Augen In der gestrigen gemeinsamen Sitzung des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses streuten die geladen Experten von ThyssenKrupp den Ausschussmitgliedern über eine Stunde lang Sand in die Augen. Ausführlich berichteten sie über die Investitionen von ThyssenKrupp in Umwelttechnik und die Verantwortung des Wetters für die Feinstaubbelastung. Die relevanten Fakten allerdings wurden den Ausschussmitgliedern vorenthalten. Im Jahr 2004 wurden in der Messstation an der Maarbrücke, die extra für die Belastungsmessungen von ThyssenKrupp errichtet wurde, vom Landesumweltamt Werte gemessen, die deutlich über den Grenzwerten liegen. Die durchschnittliche Belastung an Nickel im Feinstaub lag in 2004 bei 21,2 ng/m³, der Zielwert der EU liegt bei 20ng/m³, der Länderausschuss für Immissionsschutz empfiehlt sogar nur 10 ng/m³. An einzelnen Tagen wurde selbst der EU-Richtwert um das zehnfache überschritten. Noch schlimmer sieht es bei Chrom aus: Im Jahresdurchschnitt war die Belastung mit 79,3 ng/m³ mehr als viermal so hoch, wie es der Zielwert des Ländersausschusses für Immissionsschutz verlangt (17 ng/m³), die Spitzenbelastung lag bei 614 ng/m³. Die allergieauslösende Wirkung von Nickel und Chrom ist wissenschaftlich unumstritten. Deshalb werden auch vom Landesumweltamt die Kinder der Grundschule an der Maarbrücke auf Nickel-/Chrombelastungen und auf Allergien untersucht, worauf Ausschussmitglied Uwe Vorberg hinwies. Dies interessierte den Umweltbeauftragten von ThyssenKrupp Horst Lechterbeck wenig, schließlich habe er die Untersuchungen nicht veranlasst! Zudem sei das von ThyssenKrupp frei gesetzte Nickel weniger gefährlich als normales Nickel. Er verstieg sich in diesem Zusammenhang zu der Äußerung: *Auf lange Sicht sind wir alle tot". *Superzynisch" findet Uwe Vorberg. Sein Fazit: *Wenn Thyssen hustet, steht die Politik hilfreich zur Seite. Wenn Kinder Allergien kriegen, interessiert das keinen Menschen." Die übrigen Ausschussmitglieder interessierten sich mehr für die Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt und die fehlenden Umweltauflagen in China. Die Botschaft: Wir dürfen ThyssenKrupp nicht durch zusätzliche Auflagen belasten, sondern müssen alles tun, um die Arbeitsplätze hier zu erhalten. Nicht erwähnt wurde, dass ThyssenKrupp für das Geschäftsjahr 2003/2004 einen Bilanzgewinn von 309 Mio € ausweist. Wir meinen: ThyssenKrupp hat wie jeder andere auch die gesetzlichen Auflagen einzuhalten und eine Verpflichtung, die Gesundheit der Bochumerinnen und Bochumer nicht zu gefährden. |