Flower Power & Revolte

Begleitendes Filmprogramm in der Endstation, Kino im Bahnhof Langendreer zur Konzertreihe Flower/Power -„Die wilden sechziger Jahre" der Bochumer Symphoniker

Die 60er sind weiterhin im Focus. Im filmischen Sektor haben zuletzt die Internationalen Filmfestspiele Berlin ihre Retrospektive unter dem Titel European Sixties dem Thema Kino und Revolte gewidmet. Ergänzend zur Konzertreihe der Bochumer Symphoniker zeigen wir in Kooperation im Juni und Juli Filme aus Europa und den USA, die viel vom Lebensgefühl der ausgehenden 60er und beginnenden 70er Jahre vermitteln und die sich formal und inhaltlich gegen Etabliertes und Bürgerliches richten. Die Filmmusik spielt dabei eine besondere Rolle, da sie in einigen der Filme als neben den Bildern gleichberechtigter Kommunikationsträger über die Songtexte Inhalte mitvermittelt. Wir zeigen:

16.06. 18 Uhr, 18.+19.06. 21.45 Uhr

Easy Rider

USA 1969. R: Dennis Hopper, B: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern. M: Hoyt Axton, Mars Bonfire u.a. Mit: Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black. 95 Min. DF.

Einer der Kultfilme schlechthin. Mit geringem Budget realisiert, wurde der Film zu einem Inbegriff für das Lebensgefühl einer rebellischen Rock-Generation Ende der 60er - ein Abgesang auf den amerikanischen Mythos von Freiheit und Abenteuer. Mit Songs, die das Lebensgefühl und die Drogenphilosophie atmosphärisch rüberbringen (Born to Be Wild, The Pusher, Don't Bogart that Joint, My Friend u.a.)

23.06. 18.30 Uhr,25.+26.06. 21.30 Uhr

The Beatles: Magical Mystery Tour

GB 1967. R/P/M: George Harrison, John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr, K: Daniel Lacambre, Ringo Starr. Mit: John, Paul, George und Ringo. 55 Min. OF.

Die vier aus Liverpool in einem Film, bei dem sie fast alles selbst gemacht haben: die Musik und das Schauspielen in diversen Rollen sowieso, zusätzlich aber auch die Regie, die Produktion und Ringo Starr gar einen Teil der Kamera-Arbeit. Ein musikalischer und visueller Trip mit vielen Songs aus den Hippie-Tagen der Beatles. Surreal und psychedelisch. Nie in Deutschland veröffentlicht.

30.06. 18 Uhr, 30.06.-03.07. 21.30 Uhr

Zabriskie Point

USA 1969. R: Michelangelo Antonioni, B: Michelangelo Antonioni, Sam Shepard, Fred Gardner, Tonino Guerra, Clare Peploe, M: Pink Floyd, Jerry Garcia, Roy Orbison. Mit: Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor. CS. 111 Min. DF.

Am Ende steht diese minutenlange Zeitlupen-Explosion zur Musik von Pink Floyd... Der Europäer Michelangelo Antonioni dreht in den USA ein episches Portrait der späten 60er, in dem er die Geschichte eines Studenten-Paares erzählt, das durch den Südwesten flüchtet, weil er bei Studenten-Unruhen einen Polizisten getötet hat. Die radikalen Befreiungsversuche der Protagonisten korrespondieren mit einem experimentellen Erzählstil in allegorisch-visionären Bildern. Mit der Musik von Pink Floyd, Jerry Garcia und Roy Orbison.

07.07. 18 Uhr, 10.07. 20 Uhr

Frühe Werke

Jugoslawien 1969. R+B: elimir ilnik. Mit: Milja Vujanovi, Bogdan Tirnani, edomir Radovi. s/w. 90 Min. OmU.
im Vorprogramm: Die Litanei der heiteren Leute. Jugoslawien 1971. R+B: Karpo Godina. 15 Min. OmU.
Gratiniertes Hirn von Pupilija Ferkevek. Jugoslawien 1970. R+B: Karpo Godina. 10 Min. OmU.

Eine Wiederentdeckung der Berlinale und der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen: Filme aus Jugoslawien von elimir ilnik und Karpo Godina. Frühe Werke erhielt 1969 den Goldenen Bären. Er ist der einzige jugoslawische Film, der sich den Studentenunruhen von 1968 widmet, kurz nach seinem Start in Jugoslawien wurde er dort verboten. Er erzählt die Geschichte von drei jungen RevolutionärInnen die mit einer Ente aufs Land fahren und bei den Arbeitern und Bauern auf Ablehnung stoßen - eine bittere Allegorie auf die Tito-Zeit.

Karpo Godina war Kameramann bei Frühe Werke, sein Kurzfilm Die Litanei der heiteren Leute ist ein ironischer Kommentar auf das als friedlich propagierte Zusammenleben unterschiedlicher Nationen in einem serbischen Landstrich 1971. Der Film wurde verboten, da er „die Möglichkeit eines multi-nationalen Jugoslawiens bezweifelt". Gratiniertes Hirn von Pupilija Ferkevek zeigt in einer Einstellung 5 langmähnige slowenische Avantgarde-Künstler bei wechselndem Wetter im Wasser stehend, am rechten Bildrand schaukelt eine Frau beständig ins Bild - schräg und witzig, unterlegt mit einem an die Doors erinnernden Song. Verboten aufgrund der „Repräsentation dekadenter Filmkunst".

11.+12.07. 21.45 Uhr, 14.07. 18 Uhr

Zur Sache, Schätzchen

BRD 1967. R: May Spils, B: May Spils, Werner Enke, M: Kristian Schultze. Mit: Werner Enke, Uschi Glas, Henry van Lyck, Rainer Basedow. s/w. 80 Min.

Die erste Sprachkomödie des jungen deutschen Films" schrieb die Frankfurter Rundschau über May Spils Filmdebut mit Werner Enke und Uschi Glas. Um pseudophilosophische Sprüche nie verlegen, leben die beiden Schwabinger Martin und Henry in den Tag hinein und warten darauf, dass nichts passiert.


23.+24.07. 20 Uhr

Eins plus eins

GB 1968. R+B: Jean-Luc Godard, M: The Rolling Stones. Mit: Mick Jagger, Bill Wyman, Brian Jones, Keith Richard, Marianne Faithful, Anita Pallenberg, Iain Quarrier, Anne Wiazemsky. 100 Min. engl. OF.

Godards Dokumentation der westlichen Gegenkultur der späten 60er. Er filmt, wie die Rolling Stones Sympathy for the Devil einspielen, kombiniert dies mit Statements und allegorischen Szenen aus der Black-Power-Bewegung, thematisiert Medien und die Frauenbewegung. Die Suche nach neuen subversiven filmischen Ausdrucksformen als Äquivalent zur revolutionären Aufbruchstimmung des „Pariser Mai" 1968.


Endstation. Kino im Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 44894 Bochum. Infos unter 0234 - 260909 und www.endstation-kino.de