Im Bahnhof Langendreer: Improvisierte Musik ist nach ihrem Anspruch herrschaftsfreie Kommunikation, dem Dialogprinzip verpflichtet; sie stellt das individuelle wie das kollektive Spiel auf eine gleichberechtigte Ebene. Improvisierte Musik ist nicht-hierarchisch und gleichermaßen demokratisch wie avantgardistisch. MusikerInnen der Freien Improvisation haben sich von Anfang an nach dem Prinzip der Selbstorganisation regional und international vernetzt. Improvisierte Musik könnte demnach sozusagen die "Hausmusik" der soziokulturellen Zentren sein, die ja durchaus ähnliche Ansprüche für ihre soziokulturelle Praxis formulier(t)en. Tatsächlich aber hat es die Improvisierte Musik schwer, Orte und Öffentlichkeit zu finden. Auch in unseren Häusern ist sie kein selbstverständlcher und regelmäßiger Teil des Programms, auch wenn es immer mal wieder zu aufregenden Konzerten kam und kommt. Immerhin hat der Bochumer Schlagzeuger Martin Blume seinerzeit zur Eröffnung des Bahnhof Langendreer gespielt. Anläßlich der Begegnung mit dem südafrikanischen Rap Poeten Lesego Rampolokeng 1998 hat sich der Kontakt zwischen uns und der bochumer initiative improvisierte musik [biim], deren engagiertes Mitglied Blume ist, wieder intensiviert. So entstand in der Diskussion um Orte und (heutige) Bedeutung Improvisierter Musik die Idee zu dem kleinen Festival "SOMETHING ELSE!"
"SOMETHING ELSE!": drei Konzerte als Beispiele einer künstlerischen Praxis, die sich nicht vereinnahmen läßt; und ein Vortrag mit der Einladung zur öffentlichen Diskussion; "SOMETHING ELSE!" in Erinnerung an Ornette Colemans Album aus den 50er Jahren, das als einer der ersten Belege für die Suche nach neuen Wegen im Jazz gilt, eine Hoffnung: There must be "SOMETHING ELSE!" Dagmar Wolf
Peter Kowald und Xu Feng Xia! Kontrabass Guzheng Xu Feng Xia aus Shanghai, seit einigen Jahren in Deutschland, sowie der Wuppertaler Kontrabassist Peter Kowald, einer der bekanntesten Musiker der europäischen Improvisierten Musik, spielten zusammen im Duo, Trio oder größeren Formationen Musik im Dialog der Kulturen, die Peter Kowald auch gern "Global Village" nennt. Xu Feng Xia verbindet in einmaliger Weise ihre asiatische musikalische Tradition mit europäischen Einflüssen. Das 21-saitige Guzheng kann eine ganze Band ersetzen, so reichhaltig sind die klanglichen und rhythmischen Dimensionen, die sie darauf entwickelt. Xu arbeitete in den unterschiedlichsten Zusammenhängen der Improvisierten Musik, aber ebenso als Solistin mit Sinfonierorchestern (z.B. Sinfonieorchester des BR oder dem Nieuw Ensemble Amsterdam) und nach wie vor als brilliante Interpretin der klassischen chinesischen Musik. Peter Kowald, eine der großen Leitfiguren der Improvisierten Musik in Europa und ein Weltreisender mit Konzerten auf allen fünf Kontinenten, spielte praktisch mit allen bekannten MusikerInnen des Free Jazz und auf jedem erdenklichen Festival. Längere Aufenthalte in New York (1984) und zu Hause in Wuppertal (1994-95: "365 Tage am Ort"). Neben reinen Musikprojekten arbeitete er auch immer wieder mit spartenübergreifenden Produktionen, z.B. mit Butoh Tänzern, TänzerInnen aus dem Pina Bausch Ensemble, mit AutorInnen wie Peter Paul Zahl und Bildenden KünstlerInnen. Lines (AUS/D/GB)
Axel Dörner (tp), Das international zusammengesetzte Qintett Lines des Bochumer Schlagzeugers Martin Blume vereint Musiker, die auch in anderen Formationen und mit eigenen Gruppen weltweit bekannt sind. Lines bewegt sich im Grenzbereich zwischen Neuer und elektronischer Musik, Jazz und Avantgarde. Experimentierfreudig sind Violine, Cello, Flöten, Stimmen, Geräusche, elektronische Klangfelder und Schlaginstrumente aufeinander abgestimmt. Die erfahrenen Musiker erzeugen mit Lines äußerst fragile und gleichzeitig impulsive und dichte Klangtexturen. Ihr intensives Musizieren wurde daher bei vielen Festivals von der Kritik als einer der Höhepunkte gewürdigt: "Einen derart perfekt funktionierenden Organismus erlebt man selten...Spannung ohne Lärm, Pathos und überschäumende Emotionen - ihre Musik wirkt leicht und spielerisch." "Wenn sich Linien treffen, gelingen einnehmende Bilder wie von feinen Aquarellfarben" Lines letztes Konzert im Bahnhof liegt bereits zwei Jahre zurück. Schön, dass wir sie nun - nach ihren Auftritten in Australien - wieder hier bei uns erleben können. Die 12.12., 19.00 Uhr Peter Niklas Wilson: Der Musikpublizist und Kontrabassist Peter Niklas Wilson ist Autor mehrerer Bücher über über Musiker des Jazz wie auch über Grenzbereiche von Jazz, Improvisierter und Neuer Musik. Wir haben ihn gebeten, in seinem Vortrag unsere Fragen aufzugreifen und die Bedeutung Improvisierter Musik vor dem Hintergrund der "Eventisierung" fast jedweder kultureller und künstlerischer Äußerung zu reflektieren. Was dies für die Praxis soziokultureller Zentren heißt, werden wir zwar selbst überlegen müssen, doch die öffentliche Debatte mit dem Referenten, MusikerInnen und dem Publikum dürfte uns einige Anregungen dafür bieten. Theo Jörgensmann, selbst auch Buchautor, erwartet jedenfalls eine spannende Diskussion und will sich vor dem Konzert des Duos an dem Gespräch beteiligen. 21.00 Uhr TheoJÖRGENSMANN / KOLTERMANNEckard Theo Jörgensmann und Eckard Koltermann haben als Duo und in anderen Formationen weltweit Anerkennung erhalten. Sie können auf eine lange Zeit gemeinsamer Arbeit und Erfahrungen zurückblicken. Ihr neues gemeinsames Werk, beim Festival in Willisau aufgeführt, erscheint nun als CD "Pagine Gialle". Es ist ein Meisterstück aus Komposition und Improvisation, beinhaltet kammermusikalische und Dimensionen des Jazz. Und es ist, wie alle bezeugen, die das Duo damit auf der Bühne erlebt haben, wunderschön!
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