Promi-Preisverleiher Sascha Hellen ist Top-Favorit bei der Geierabend Preisverleihung. Er wurde nominiert für den Pannekopp-Orden 2012. Als preiswürdig nennen die StifterInnen der gewichtigen Auszeichnung nicht etwa seine hochpreisigen Atrium-Talk-Runden. „Für die Förderung der demokratischen Kultur im Revier“ soll er die Ehrung erhalten. Wörtlich heißt es in der Laudatio: »Hellen denkt international. Er vermittelt Promis weltweit. Und wenn so ein Promi in der Kartei anfängt zu riechen, wird der mit dem firmeneigenen Steiger Award wieder frisch gemacht. Der tollste Steiger ging 2012 an den türkischen Premierminister Recep Erdogan, in der Kategorie Menschenrechte. Das hat nicht nur ihn gewundert. Es hat auch die Demonstranten gewundert, die spontan durch Bochum zogen. Das musst du erst mal bringen, mit einem Piss-Promi-Preis 30 000 Leute auf die Straße zu kriegen. Auch Erdogan hat die Auszeichnung nach vorne gebracht. Er denkt jetzt laut nach über die Wiedereinführung der Todesstrafe.« mehr…
Der WDR berichtet: »Nachdem die Stadtwerke Bochum ihre Zusammenarbeit mit Promi-Vermittler Sascha Hellen beendet haben, will die Sparkasse erstmal weiter an ihm festhalten. Konkret geht es dabei um ein schon lange geplantes Konzert von Ex-Beatle Paul McCartney, für das es aber noch keinen Termin gibt. Die Sparkasse Bochum will jetzt bis Ende Februar wissen, ob McCartney definitiv 2013 nach Bochum kommen wird oder nicht. Solange wolle man Hellen und seiner Agentur Zeit geben. Ansonsten würden Verträge gekündigt und Geld zurückgefordert, schreibt die Sparkasse in einer Stellungnahme. Wieviel Geld die Sparkasse schon an Hellen überwiesen hat, wollen die Verantwortlichen nicht sagen. Die Stadtwerke hatten ihren Vertrag über das Konzert vergangene Woche gekündigt und 95.000 Euro Vorauszahlung zurückgefordert.«
Auf einer Pressekonferenz haben heute Oberbürgermeisterin Scholz und Stadtwerkechef Wilmert mitgeteilt, dass Sascha Hellen nicht länger ihr Liebling, sondern in tiefe Ungnade gefallen ist. Die Stadtwerke haben alle Verträge mit Hellen gekündigt und fordern ihre leichtsinnig gezahlten Vorschüsse und nicht abgerechneten Honorare zurück. Hierbei dürfte es sich um einen sechsstelligen Betrag handeln. Die Oberbürgermeisterin erklärte, dass sie ihre Schirmherrschaft für das PR- Projekt „Herausforderung Zukunft“ zurückgezogen habe. Nicht einmal für ein Grußwort beim „Steiger Award“ stünde sie zur Verfügung. Wilmert streute Asche auf sein Haupt und gestand ein, Fehler gemacht zu haben. Die Oberbürgermeisterin gab sich wenig schuldbewusst und räumte lediglich ein, dass bei der Aufklärung des Skandals einiges hätte schneller laufen können. Scholz und Wilmert kündigten an, dass es nun ein transparenteres bürgernäheres Sponsorenkonzept der Stadtwerke geben solle. Auf Nachfrage, ob es nun nicht auch für die anderen städtischen Tochterunternehmen insbesondere für die Sparkasse mehr Transparenz und andere Konzepte im Bereich Sponsoring geben sollte, behauptete die Oberbürgermeisterin, dass die Verwaltungsratsmitglieder der Sparkasse regelmäßig und umfassend über die Sponsorentätigkeit der Sparkasse informiert würden. Dies wurde auf Nachfrage von einem Verwaltungsratsmitglied als unzutreffend bezeichnet. Die Stellungnahme der Oberbürgermeisterin.
Montag 10.12.12, 19:50 Uhr
Die Stadtverwaltung liefert Lesestoff für dunkle Winterabende:
Wie an dieser Stelle schon mehrfach betont, verdanken die Bochumer BürgerInnen dem gescheiterten NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück etliche erhellende Einblicke in den sozialdemokratischen Filz dieser Stadt. So hat die Stadtverwaltung jetzt zwei Mitteilungen verfasst, die ahnen lassen, wie die städtischen Tochterunternehmen z. B. die Eitelkeiten ihrer Unternehmensführung und die der Stadtspitze bedienen. In der Vorlage Nr. 20122604 „Atrium Talk“ beantworten die Stadtwerke auf 16 Seiten Fragen aus dem Rat zur Finanzierungs- und Vertragspraxis der Plauderstunden der Stadtwerke. In der Vorlage Nr. 20122605 „Zusammenarbeit Stadt Bochum mit Sascha Hellen und der Hellen Medien Projekt GmbH“ wird auf vier Seiten auf eine Anfrage der Sozialen Liste geantwortet. Hier gibt es unter der Überschrift „Sparkasse Bochum“ das verheißungsvolle Versprechen: „Ergänzend wird hierzu mündlich im nicht-öffentlichen Teil berichtet.“ Die Sparkasse weigert sich bisher hartnäckig, ihre Sponsorentätigkeit und die Kosten ihrer PR-Aktionen offenzulegen. mehr…
Das Presseamt der Stadt ließ heute verlauten: »Die Stadtwerke Bochum haben heute (Mittwoch, 5. Dezember) mitgeteilt, dass sie Herrn Hellen von der vertraglichen Verschwiegenheitsverpflichtung entbinden. Die Oberbürgermeisterin begrüßt diese Entscheidung der Geschäftsführung. Herr Hellen steht in der Verantwortung, seinen Beitrag zur Klärung von offenen Fragen wahrzunehmen. Diese Verpflichtung hat er in erster Linie gegenüber der Geschäftführung der Stadtwerke Bochum. Die Oberbürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende erwartet von den Verantwortlichen für den Atriumtalk eine zügige Klärung der noch offenen Fragen. Hierzu zählen unter anderem Unklarheiten in Zusammenhang mit dem Honorar für Mario Adorf. Die Oberbürgermeisterin hat in einem heute geführten Gespräch mit der Geschäftsführung deutlich gemacht, dass die Klärung von offenen Fragen mit Nachdruck und Kurzfristigkeit abzuschließen sind und in der morgigen Sitzung des Aufsichtsrates über den Stand der Klärungen zu berichten ist.«
Der WDR berichtet: „In der Affäre um die teuren Talk-Abende der Stadtwerke Bochum gibt es neue Ungereimtheiten. Ein Auftritt von Schauspieler Mario Adorf im Jahr 2008 war abgesagt und dennoch bezahlt worden. Dem WDR liegt ein Bericht von Wirtschaftsprüfern vor, demzufolge 10.000 Euro als Honorar geflossen waren, obwohl Adorf die Talkrunde wegen Krankheit abgesagt hatte. Es heißt, der Betrag sei an die Bochumer Agentur Hellen überwiesen worden. Das Management von Mario Adorf bestätigt aber, dass der Schauspieler keinen Cent bekommen habe. Nach WDR Recherchen ist das Geld auch nicht an die Stadtwerke zurücküberwiesen worden. Der Bochumer Promi-Vermittler Sascha Hellen war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.“
Mittwoch 28.11.12, 19:41 Uhr
Dank Steinbrück ein kleines Stückchen Einblick, aber:
Die Bochumer verdanken Peer Steinbrück, dem gescheiterten Ministerpräsidenten von NRW, einiges. Ohne seine – so wahrscheinlich nicht gewollte – Transparenzoffensive hätte die Öffentlichkeit niemals dieses kleine Stückchen Einblick in den sozialdemokratischen Filz zwischen der Stadt und ihren Töchtern bekommen. Und: Es gibt jetzt zumindest eine vage Vorstellung davon, für wie viel Geld Sascha Hellen die Eitelkeit prominenter SozialdemokratInnen in den unterschiedlichsten Funktionen bedient hat. Die Grünen in Bochum sind vor ziemlich genau 13 Jahren eine Koalition mit der SPD in Bochum eingegangen. Eines ihrer erklärten Ziele war der Kampf gegen den Filz. Alles spricht dafür, dass sie Teil des Filzes geworden sind. Bemerkenswert bei dieser Enthüllungsgeschichte ist die ziemlich ambitionierte journalistische Arbeit der Bochumer WAZ-Redaktion. Hier gäbe es noch einen kleinen Tipp: Es wäre doch ganz interessant zu erfahren, wie viel Geld die einschlägigen Sponsorinnen und letztendlich die Stadt eingespart haben, weil einige engagierte Menschen Josef Ackermann dazu gebracht haben, im letzten Jahr seinen Auftritt im Schauspielhaus abzusagen. Die Bochumer Lokal-Redaktion könnte einfach den Chef der Zentralredaktion Ulrich Reitz fragen, was ihm Sascha Hellen dafür geboten hat, dass er bereit ist, den Bühnenauftritt von Ackermann und Stoiber zu moderieren.
Die bisherigen Ergebnisse der Aufklärung der Event- und Promiaffäre sind aus Sicht der Sozialen Liste völlig unzureichend. In einer Erklärung der Sozialen Liste heißt es: »Vor allem wird der Versuch deutlich, in kleinen Gesprächsrunden der Hauptbeteiligten sowie Aufsichtsratssitzung das Thema hinter verschlossenen Türen abzuhandeln und auf den Atrium-Talk zu beschränken. Das kommunale Wahlbündnis fordert deshalb erneut nachdrücklich die Hintergründe um die Finanzierung des Atrium-Talks, des Steiger Awards und der Veranstaltungsreihe „Herausforderung Zukunft“ schonungslos, umfassend und öffentlich in einer Ratssitzung gegebenenfalls Sondersitzung des Rates aufzuklären. mehr…
Freitag 09.11.12, 16:28 Uhr
Bericht der Linksfraktion von der gestrigen Ratssitzung:
Die Linke im Rat schreibt: »Gestern tagte der Rat. Auf das größte Interesse stieß der Tagesordnungspunkt Stadtwerke-(Honorare), aber auch die Grundschulschließungen wurden intensiv diskutiert. Wir informieren über folgende Themen:Honorare Atriumtalk der Stadtwerke, Schulentwicklungsplanung, Resolution Vermögenssteuer, Antrag Wahlbeteiligung, Antwort Graue Wölfe und Anfrage Stromsperren. mehr…
Freitag 09.11.12, 16:21 Uhr
Bericht der Sozialen Liste von der gestrigen Ratssitzung:
Die Soziale Liste schreibt: »Dass die gestrige Ratssitzung ein so enormes Medieninteresse fand, macht deutlich wie, groß und publik der Skandal um die hoch dotierten Bochumer Promi-Veranstaltungen geworden ist. In der Ratsdebatte um das Thema wurde der Wille der Oberbürgermeisterin und der Ratsparteien von SPD, CDU, Grüne und Freie Bürger deutlich, die Affäre klein zureden, auf den Atrium-Talk zu beschränken und Ausflüchte zu suchen. mehr…
Dienstag 06.11.12, 18:38 Uhr
Fragen zu den Honoraren und dem Sponsoring der Stadtwerke-Bochum
Die Soziale Liste im Rat hat heute 13 Fragen an die Oberbürgermeisterin zum Themenkomplex Sponsoring der Stadtwerke gestellt und schreibt in einer Erklärung: »Die Soziale Liste fordert die Offenlegung der Finanzierung der Stadtwerke-Veranstaltungsreihe „Atrium-Talk“, sowie der Sponsoringverträge der Stadtwerke zum Steiger-Award. mehr…
Christian Leye, Kreisverbandssprecher Der Linken in Bochum erklärt: „Die aktuelle Neupositionierung der Stadtwerke Bochum, die 25 000 Euro seien tatsächlich nicht als Spende vereinbart gewesen, löst das Problem nicht. Tatsächlich sollte Steinbrück öffentlich erklären, weshalb er ein solches Spitzenhonorar aus einer finanziell so geschwächten Kommune für richtig hält und annimmt. 2004 noch hatte Steinbrück als NRW Ministerpräsident eines der härtesten Sparpakete in der Geschichte des Bundeslandes damit begründet, dass angesichts der leeren öffentlichen Kassen keine Alternative bestünde. Wieso nun hier gespart werden muss und dort nicht, ist auch nach dem Einlenken der Stadtwerke offen. Auch planen die Stadtwerke Bochum eine Strompreiserhöhung für Anfang 2013. Viele Bochumer Haushalte müssen Dank Leiharbeit, Hartz IV und Niedriglohnsektor, an denen Steinbrück maßgeblich beteiligt war, weitere Einschnitte befürchten bei einer Preiserhöhung. mehr…
Die Linksfraktion im Rat und die Soziale Liste haben im Zusammenhang mit dem Stadtwerke-Steinbrück-Skandal in Pressemitteilungen die Offenlegung der Vereinbarungen mit der Agentur von Sascha Hellen gefordert. Die Linke im Rat schreibt: »Die Linksfraktion fordert im Zusammenhang mit den Honorarzahlungen an Peer Steinbrück und anderen Redner_innen eine Offenlegung der Verträge mit dem Medienberater Sascha Hellen für den „Atriumtalk“. Nur mit Transparenz in dieser Angelegenheit können die Stadtwerke dem Eindruck entgegentreten, sie wollten etwas vertuschen und die Öffentlichkeit sowie den Aufsichtsrat täuschen. mehr…
Freitag 02.11.12, 13:41 Uhr
Die Soziale Liste fordert im Steinbrück-Hellen-Skandal:
Die unverzügliche Offenlegung des Sponsoringvertrages der Stadtwerke Bochum für den Steiger-Award fordert die Soziale Liste im Rat und stellt dazu eine Anfrage zur nächsten Ratssitzung. In einer Mitteilung heißt es: »Dieser Sponsoringvertrag ist offensichtlich das zentrale Element für die Durchführung von zahlreichen Veranstaltungen mit Prominenten, die sich in den letzten Jahren in Bochum stark gehäuft haben. mehr…