
Jetzt hat der Platz an der Alleestraße 142 einen Namen. Die Bezirksvertretung Mitte hatte den Beschluss gefasst, den Platz als „Josef-Anton-Gera-Platz“ zu benennen und gestern wurde dies sichtbar gemacht. Am Aufgang zum Gelände steht nun ein Schild mit dem Hinweis auf die „rechte und homofeindliche Gewalttat“, die zum Tode von Josef Anton Gera geführt hat. Die Bezirksbürgermeisterin Gabi Spork (SPD) sprach über die zweifache Bedeutung des neuen Namens für den Platz: Einerseits ist es Erinnerung an das Opfer einer Tat von Rechtsradikalen, andererseits soll es Menschen motivieren, sich demokratisch und antirassistisch zu engagieren.
Karsten Finke (Grüne) stellte fest, dass die Aktivitäten antifaschistischer Gruppen für die Umbenennung so stark waren und der Beschluss der Bezirksvertretung Mitte unumgänglich war. Die Zahl der Teilnehmenden war leider sehr niedrig. Erfreulich ist andererseits, dass die gut sichtbare Beschriftung des Betonsockels auf dem Platz (Foto) weiterhin erhalten bleibt und erst einmal nicht übermalt wird.

Endlich ist der Platz nach Josef-Anton Gera benannt worden.
Zur inhaltlichen Erläuterung seiner Person dreht sich mir der Magen um,
ebenso wie die Kritiklosigkeit der Leser*innenschaft.
Homo war und ist noch heute ein Schimpfwort, gleichwohl wie 175er, dessen § im Kaiserreich
eingeführt, unter Strafe gestellt und erst 1994 abgeschafft wurde.
Wer ist mit rechter Gewalttat gemeint? Etwa der rechte Rand von CDU, CSU oder FDP?
Josef-Anton Gera ist zwar an seinen schweren Verletzungen verstorben, wurde allerdings von Neo-Nazis ermordet.
Eine fortschrittliche Konnotation hätte geheißen:
Josef-Anton Gera – Opfer einer rechtsradikalen (faschistischen) und homophoben Gewalttat, ermordet von Neo-Nazis
am 16.10.1997
Mit diesem Erinnerungsschild wurde sich seitens der Verantwortlichen gewunden wie ein Aal und wichtige Inhalte verwässert.
Das ist der faule Kompromiss zwischen Mitgliedern der Bezirksvertretung und der Verwaltung. Die Verwaltung vertrat die Ansicht, dass es unmöglich sei, etwas auf das Schild zu schreiben, das im Widerspruch zu der Gerichtsentscheidung steht. Die Politiker:innen, die die Platzbenennung angeregt hatten, vertraten die Position, dass auf dem Schild stehen muss, warum der Platz nach Josef Anton Gera benannt ist.
Grundsätzliche Zustimmung, aber ist homophob wirklich besser als homofeindlich? Mit Phobie hat Hass auf Homosexuelle ja eigentlich wenig zu tun.
Zudem war die LGBTQIA*-Bewegung immer gut darin, negativ konnotierte Begriffe umzudrehen und als Selbstbezeichnung zu verwenden. Auch deswegen war ich bisher davon ausgegangen, dass Homo nicht mehr als Schimpfwort wahrgenommen wird. Korrigiert mich wenn die Einschätzung falsch ist.