Donnerstag 13.03.25, 12:05 Uhr
Weitere Rede zur Demo am 7.3.

Eindrucksvolle Vorabenddemo


Ein weiterer Redebeitrag bei der Vorabenddemo zum Frauenkampftag hat die Redaktion erreicht:

»Wir vom Fachschaftsrat Gender Studies Ruhr-Universität Bochum haben mit Freude gesehen, dass ihr einen Artikel zur Vorabenddemo geschrieben habt und dabei die Redebeiträge auf der Demo dokumentiert. Im Anhang findet ihr unseren Redebeitrag. Die Aufteilung auf zwei Redner*innen haben wir mit Buchstaben markiert und zum besseren Verständnis im Text belassen.«

Redebeitrag FSR Gender Studies RUB

(R) Früher sagten wir „Es ist kalt in Deutschland“. Inzwischen ist es mehr als nur kalt. Friedrich Merz und all seine Unterstützer*innen machen Grenzen dicht, paktieren mit der AfD, treten pausenlos nach unten. Das politische Klima ist nicht mehr nur kalt, es ist eisig.

(R) Und trotz alledem –

(J) Wir bewahren uns unsere Wärme.

(R) Wir kämpfen, dass uns warm wird.

(J) Wir wickeln einander in Decken, kochen einander Tee, halten einander.

(R) Und wir haben genug für alle. Wir ziehen an die europäischen Außengrenzen, bewaffnet mit Decken, mit Teekochern und mit SO. VIEL. WUT.

Denn menschenverachtende Politik bleibt menschenverachtend, egal wie ihr sie uns verkaufen wollt. Es gibt keine „menschlichen“ Grenzkontrollen, es gibt keine „menschlichen“ Lager für Asylsuchende, und es gibt keine „menschlichen“ Abschiebungen. Wer mit Bauchschmerzen abschiebt, schiebt immer noch ab!

Es wird immer und immer kälter an den Grenzen.

(J) Wenn ihr kälter werdet, werden wir wärmer.

(R) Wenn ihr mehr Menschen deportieren wollt, schließen wir uns zusammen.

(J) Wenn ihr das Bürgergeld zusammenstreicht, stehen wir dagegen auf.

(R) Wenn ihr unseren Studiengang abschaffen wollt, gehen wir auf die Barrikaden.

(J) Auf dem AfD Parteitag in Riesa sprach Alice Weidel davon Gender Studies als Studiengang abzuschaffen. Diese Angriffe sind nicht neu. Unser Studium wird zum Spielball im rechten Kulturkampf. Eine sinnvolle und relevante wissenschaftliche Disziplin wird zum Symbol für angeblichen Genderwahn und Sprachliche Verbote. In diesem Kulturkampf werden Themen zu einem Problem gemacht, die eigentlich keins sind. Veganismus, Gendern, Windräder. 

Zum Kulturkampf kommt ein angeblich alternativloser Sparzwang, bei dem Unis bei kleinen Studiengängen kürzen. Oder sie streichen Alles, was kein Prestige bringt – und damit allen voran sozialwissenschaftliche Studiengänge.

Nicht nur Alice Weidel macht Stimmung gegen die Gender Studies. Sahra Wagenknecht hat den Hass auf progressive Linke quasi zum Parteiprogramm gemacht. Und da ist Wagenknecht überhaupt nicht links. Wo bleiben linke Werte wie Solidarität mit Unterdrückten bei Wagenknechts Transfeindlichkeit, ihrem Rassismus und ihrer Hetze gegen Gender? 

Die Liste der Angriffe auf unser Studienfach, und damit auf das, wofür wir stehen, ist lang. Es ist nicht nur die AfD: es ist Alice Schwarzer, es sind Stammtischparolen und es sind Wissenschaftler*innen, die die (vermeintliche) biologische Zweigeschlechlichkeit bis aufs Blut verteidigen. 

Uns wird kalt bei dem Gedanken daran.

(R) Künstliche Aufregung wird erzeugt, anstatt über die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft zu sprechen. Menschen leben in Armut, während Fredrich Merz mit seinem Privatjet nach Sylt fliegt. Menschen sterben auf der Flucht und in Außenlagern, während konservative Parteien vehement darauf bestehen, dass „deutsche Frauen“ von Geflüchteten bedroht werden. AfD, CDU und BSW hetzen gegen Selbstbestimmung, während queeres Leben angegriffen und mit dem Tod bedroht wird.

Aber die AfD will Gender Studies abschaffen.

Als wäre Gendern wichtiger als Menschenleben.

Als wäre es nicht so viel wichtiger, Menschen auf der Flucht ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Wir haben keinen Bock die Projektionsfläche für euren Kulturkampf zu sein. 

All die Energie, die ihr damit verschwendet, gegen einen Studiengang zu wettern, könntet ihr so viel besser in politische Arbeit stecken, die ein gutes Leben für uns alle ermöglicht.

Aber das wollt ihr nicht.

Ihr wollt eure Zeit lieber damit verschwenden, menschenverachtende, queerfeindliche, rassistische, antisemitische, sexistische Politik zu machen – auf unserem Rücken.

Aber wir sagen: nicht mit uns!

(J) Denn ein Angriff auf die Gender Studies ist nicht nur ein Angriff auf akademische Forschung, es ist ein Angriff auf Queerness, auf queere Menschen, auf die Vielfalt von queerem Leben – es ist ein Angriff auf unsere Existenz und alles, wofür wir stehen und wofür wir kämpfen.

Und damit ist es ein Angriff auf all unsere Geschwister: auf unsere Schwarzen, indigenen und PoC Geschwister, auf unsere jüdischen und muslimischen Geschwister, unsere Sinti und Roma Geschwister, unsere palästinensischen, kurdischen und iranischen Geschwister und unsere behinderten Geschwister.

(J) Uns wird kalt, wenn wir daran denken.

(R) Uns wird kalt, wenn wir an all unsere Schwarzen trans Geschwister denken, die in diesem Jahr schon ermordet wurden.

(J) Uns wird kalt, wenn wir an Malte C. denken.

(R) Und trotz alledem 

Wir kämpfen weiter.

(J) Wenn es kalt wird, gehen wir dahin, wo uns warm wird.

(R) Mir wird warm in der Oval Office Bar.

(J) Mir wird warm, wenn ich mit Freund*innen politische Lieder singe.

(R) Mir wird warm, wenn wir einander auffangen.

(J) Mit wird warm, wenn rechter Wahlkampf sabotiert wird.

(R) Mir wird warm, wenn ein Nazi an der Uni all den politischen und sozialen Gegenwind erfährt, den er verdient.

(J) Mir wird warm, wenn ich sehe, wie viele Menschen zum feministischen Kampftag auf die Straße gehen.

(R) Mir wird warm, wenn ich sehe, wie viele Gruppen in Bochum stabile politische Arbeit leisten.

(J) Mir wird warm, wenn ich sehe, dass wir nicht alleine sind.

(R) Uns wird warm, wenn wir zusammen sind.

(J) Uns wird warm, wenn wir auf Demos gehen, wenn wir gemeinsam kämpfen, wenn wir einander halten.

(R+J) Uns wird warm, wenn wir euch sehen