Und wieder stehen wir hier, das fünfte Jahr in Folge. Wir stehen hier und trauern um die ermordeten von Hanau. Wir trauern, doch sind auch wütend, wütend auf diesen Staat. Ein Staat der den Täter rasend schnell zu einem verwirrten Einzeltäter erklärte. Ein Staat der die Gefahr faschistischen Terrors seit Jahrzehnten bewusst verschleiert. Ein Staat der selber rassistische Hetze, Hass und Gewalt am laufenden Band produziert. Hanau trägt die Handschrift des deutschen Staates.
Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov fielen einem faschistischen Mörder zum Opfer, doch sich nur auf ihn zu beziehen wäre viel zu kurz gegriffen.
Rassismus ist allgegenwärtig in unserer Gesellschaft und diesem System. Bis heute gibt es keine lückenlose Aufklärung der Tatnacht. Von einem nicht erreichbaren Notruf, über einen verschlossenen Notausgang, hin zu Nazi-Bullen, die als erste damit betraut waren einen der Tatorte zu sichern. Die deutschen Behörden haben nahezu alle Ermittlungsverfahren dazu eingestellt, die Angehörigen selbst sind es die auf eigene Kosten private Agenturen beauftragen um weiter die Wahrheit herauszufinden. Bis heute terrorisiert der ebenso faschistische Vater des Mörders die Familien der Opfer, Polizei und Justiz tun natürlich rein gar nichts dagegen, oder geben den Betroffenen Gefährderansprachen. Oft hört man der Staat sei auf dem rechten Auge blind, aber wir müssen erkennen dass er ganz bewusst nicht hinschaut. Denn er selbst ist rassistisch und er handelt rassistisch. Jede Woche gibt es rassistische Razzien in Shisha-Bars, migrantisch gelesene Menschen werden in jeder Polizeikontrolle unter Generalverdacht gestellt. Die ach so progressive Ampel Regierung stellte neue Abschieberekorde auf und redet unentwegt vom importierten Antisemitismus. Rassismus liegt in der DNA dieses Staates, er und seine bürgerlichen Parteien werden niemals unsere Verbündeten im Kampf gegen Rassismus und Faschismus sein. Den allgegenwärtigen Rechtsruck, der sich durch alle Parteien der angeblichen bürgerlichen Mitte bis hin zur AfD zieht, bemerken wir zunehmend offener auch in der deutschen Medienlandschaft. Jede erdenkliche Tat eines migrantischen Menschen wird zu einer Headline gemacht, während der 30. Femizid in 2025 nicht mal eine Randnotiz in den Lokalnachrichten wert ist. Bevor auch nur im Ansatz klar ist was überhaupt geschehen ist, bestimmt die Frage nach der Herkunft eines Gewalttäters längst den medialen Diskurs. Es ist faktisch belegt dass Straftaten migrantischer Personen um ein zig Faches öfter medial behandelt werden, als die Tat eines deutschen. Wenn ein deutscher eine Gewalttat begeht ist er meist ein psychisch kranker, ein verwirrter Einzeltäter, ein Beziehungstäter oder es handelt sich um ein Familien Drama. Migrantische Täter sind für die Medien genau das, Migrant:innen. Der Rest scheint unwichtig. Auch markieren Medienhäuser gerne Stadtteile und Läden als migrantisch und kriminell, wenn das SEK mal wieder wegen unversteuertem Tabak in eine Shisha Bar reinläuft hält Spiegel TV die Kamera drauf und redet von Clan-Kriminalität.
Wenn die Gesellschaft nach rechts rückt dann tun es auch die Medien. Sie sind wie jedes andere Unternehmen abhängig vom Markt und wenn die Gesellschaft nach rechts rückt und nach Alter Faschistischer Manier Sündenböcke sucht, dann müssen die Medien ihnen diese liefern um ihre Auflage verkaufen zu können. Die etablierten Medien in Deutschland befeuern also rassistische Diskurse, auch einfach weil es sich besser verkauft oder klickt.
Unser Kampf gegen den Faschismus stützt sich nicht einfach nur auf Moralische Argumente gegen Rassismus und sonstiges rechtes Gedankengut. Unser Kampf gilt dem System das ihn produziert. Der Kapitalismus und der bürgerliche Staat brauchen den Faschismus wie die Luft zum Atmen, sie lassen ihn wieder und wieder von der Leine wenn es darum geht ihre Besitz und Produktionsverhältnisse zu verteidigen. Der Kapitalismus braucht den Rassismus um die arbeitende Klasse zu spalten, um sie gegeneinander aufzuhetzen. Und diese Taktik geht auf. Am kommenden Sonntag wird voraussichtlich jeder fünfte in Deutschland eine faschistische Partei wählen. Es wird nach unten auf die noch schwächeren eingetreten und sie werden für die Krisen verantwortlich gemacht, die der Kapitalismus immer wieder hervorbringt. Dabei ist es unsere Aufgabe den Blickgemeinsam nach oben zu wenden und das wahre Problem, nämlich die Verteilungsungerechtigkeit, die Ausbeutung & die Krisen die der Kapitalismus produziert, anzugreifen.
Doch was können wir im hier und jetzt tun? Wenn der Staat uns nicht schützt, dann müssen wir das eben selbst tun. Wir müssen uns Antifaschistisch organisieren und den Kampf gegen den Faschismus organisiert und vor allem losgelöst vom bürgerlichen Staat auf die Straße tragen. Wir müssen mit betroffenen sprechen und ihnen die Stimme geben, die sie in diesem System und in dieser Gesellschaft viel zu selten haben.
Zum Abschluss wollen wir gemeinsam gedenken, wir gedenken den Opfern von Hanau und allen weiteren von Nazis und anderen Faschisten ermordeten. Wir werden ihre Namen niemals vergessen. Ihre Namen leben in unserem Kampf.
Von Trauer zu Wut zu Widerstand!