Im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus ist Dr. David Johannes Berchem, Projektleiter bei der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW), am 30. 10. um 17 Uhr Gast im Fritz Bauer Forum. Er referiert über „Problemkonstellationen und Widerstandspraxen mit Blick auf die Normalisierung von Rechtsextremismus und Antisemitismus“. Die Einladung:
»Nicht selten werden die Mitarbeiter*innen der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW) von Journalist*innen gefragt, ob sich der gesamtgesellschaftliche „Rechtsruck“ auch in den Fanszenen, auf den Plätzen der Amateur*innenvereine oder in der Stadionkurve beobachten lässt.Mit Blick auf die Meldestrukturen von MeDiF-NRW lässt sich konstatieren, dass neurechte Akteur*innen mit ihren rechtsextremen Raumgreifungsdynamiken im Fußball das Ziel verfolgen, menschenfeindliche Einstellungsmuster, völkisch-faschistoide Gesinnungen, subtil-antisemitische Sprachakte,
Verschwörungsnarrative sowie ein auf Ungleichwertigkeitsideologien gründendes Weltbild zu verbreiten. Die oft zitierten „Grenzen des Sagbaren“ werden im Zuge der metapolitischen Vereinnahmungsprozesse im „vorpolitischen“ Kulturterrain Fußball strategisch verschoben. Der Vortrag wirft einen analytischen Blick auf diese demokratiefeindlichen Normalisierungsprozesse.
Dabei ist die Analyse auch historisch informiert, weil der Fußball von neurechten Akteur*innen schon seit Jahrzehnten verstärkt als Agitationsfeld genutzt wird, um eine kulturelle Hegemonie zu erlangen. In einem letzten Schritt rücken die Widerstandspraxen der politischen Bildung in den Fokus, die in einer wehrhaften Demokratie rechtsextremen Normalisierungstendenzen proaktiv entgegentreten.
Dr. David Johannes Berchem ist Projektleiter bei der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW (MeDiF-NRW) und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.«
Zeiten ändern sich – politische Prosa und Lyrik auch.
Die Inhalte und Fakten aus Stadien und von Tribünen, um die es wohl in dieser Veranstaltung gehen soll, wurden immer anders geframt. Was ich hier lese habe ich in den 80er Jahren bei den Berichten über die Borussenfront und die FAP im Stern und anderswo lesen können. Da hieß es Neonazismus. In den folgenden Jahrzehnten bei Dembowski at all. Da hieß es Rechtsextremismus. Jetzt heißt es „Neue Rechte“. (Die ist zwar jetzt schon 60 Jahre alt, aber bekanntlich fängt das Leben erst mit 66 Jahren an.)
Ich frage mich, ob sich die Wissenschaft so uneins ist, ob sie temporären neuen Wissensbeständen folgt, oder Marktbewußtsein beweist.
Es ist zu hoffen, dass man jenseits neuer Prosa mehr als diese in der Veranstaltung erfährt.