Freitag 20.02.15, 10:28 Uhr
DGB fordert einen Politikwechsel

Armut auf Rekordhoch


Der DGB in der Region zeigt sich „tief besorgt über die Ergebnisse des Berichts zur regionalen Armutsentwicklung“ und erklärt: »Unter dem Titel „die zerklüftete Republik“ hat der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband aktuelle Daten für das Jahr 2014 öffentlich gemacht. Die zentrale Botschaft ist beschämend für Deutschland. Die Armut ist auf Rekordhoch. Die Einkommensschere klafft wie noch nie auseinander. Die Armutsquote beträgt 15,5 % und umfasst 12,5 Millionen Menschen. Während die Politik auf eine boomende Wirtschaft und auf ein deutsches Beschäftigungswunder hinweist verschlechtert sich die Lebenssituation für immer mehr Menschen im Land. Obwohl die SGB II-Quote und die Arbeitslosenquote sinken, steigt die Armutsquote an.
Die  Raumordnungsregion Bochum/Hagen umfasst die beiden Städte sowie Herne, den Ennepe-Ruhr und den Märkischen Kreis. In allen Städten stieg die Armutsquote von 2013 auf 2014. Auch im Ennepe-Ruhr-Kreis ist sie angestiegen, während der Märkische Kreis eine etwas positivere Entwicklung zum Vorjahr genommen hat.

Regionale Armutsquoten nach Raumordnungsregionen seit 2006 (in %) gemessen am Bundesmedian – sortiert nach Stand 2013

Für DGB-Geschäftsführer Jochen Marquardt eine Entwicklung, die dringend eine Veränderung der politischen Rahmenbedingungen notwendig macht. Für ihn zeigt sich eine paradoxe Entwicklung. Obwohl insgesamt Wachstum zu verzeichnen und die Zahl der Erwerbstätigen angestiegen ist, wächst die Armutsquote. „Nach normaler Lesart müsste die Zahl der Armen oder armutsgefährdeten Menschen bei steigendem Gesamtwohlstand sinken. Sie tut es nicht und weist damit darauf hin, dass die Verteilung immer ungerechter wird.“ Die Besorgnis wird umso höher als durch prekäre Haushaltslagen in den Städten und Kreisen die Hilfsangebote für die Menschen eingeschränkt werden und die Herausforderungen für eine zuverlässige Daseinsversorgung und –vorsorge immer schlechter bewältigt werden.
Zudem weisen die aktuellen Daten der regionalen SGB-II (Hartz IV) – Quoten für die Jahre 2006 bis 2014 in den Städten und Kreisen der DGB-Region Ruhr Mark ausnahmslos steigende Anteile aus.

Regionale SGB II-Quoten seit 2005 auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte

Marquardt: „Immer mehr Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, müssen uns aufrütteln. Wir sind dringend aufgerufen, das dahinter liegende Politikmodell zu überwinden. Es wird immer offensichtlicher, dass die neoliberalen Vorstellungen keine Lösung für die Probleme der Menschen und deren Arbeits- und Lebensbedingungen bieten. Vielleicht brauchen wir einen griechischen Virus?“
Die bereits vor einiger Zeit vom DGB vorgestellten negativen Entwicklungen im Bereich der Kinderarmut haben sich weiter verfestigt:

Regionale SGB II-Quoten der unter 15-jährigen seit 2005 auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte