Die Soziale Liste Bochum informiert: Müll-Zentrum Gerthe Eine Auswertung von Zeitungsberichten, öffentlich zugänglichen Materialien, Schreiben, Flugblättern und Veröffentlichungen (Erstellt von der Sozialen Liste Bochum, Stand 1. Okt. 2005) Die Fa. Weber in Werne Im Bereich des früheren Bundesbahn Betriebswerkes und eines früheren Gaswerkes im Bereich der Gasstr./Salweidenbecke siedelten sich ab Mitte der 1970er Jahre verschiedene Betriebe an. Im Laufe der Zeit haben die Müllentsorgungsbetriebe Weber dort eine dominierende Stellung eingenommen. Da es sich in Werne um ein so genanntes Mischgebiet handelt, gab es vielfältige Probleme und Proteste von Anwohnern, sowie die Bildung einer Bürgerinitiative. Es wurde ein „Runder Tisch“ aller Betroffenen durchgeführt und festgestellt, dass die Müllbetriebe am falschen Ort existieren. Die Stadt Bochum hat versucht, eine Umsiedelung der Weber-Müllbetriebe zu erreichen. Die Fa. Weber nimmt in Werne Müll, vor allem aus Holland und anderen europäischen Ländern an, sortiert, recycelt ihn teilweise und entsorgt Müll. Weber nimmt in Werne zwischen 130.000 t bis 150.000 t Müll an. Die Anlieferung des Mülls erfolgt in Containern bis hin zu Größen von 2 x 40 cbm. Es wurden bis zu 50 LKW-Bewegungen in der Stunde zu den Müllbetrieben der Fa. Weber registriert. In der Ratssitzung am 30. 6. 2005 wurden Bürgeranregungen (Einsprüche) abgelehnt und der Bebauungsplan Nr. 774 mehrheitlich vom Rat beschlossen (Gegenstimmen von der Sozialen Liste Bochum und der PDS) Anlass für diesen Bebauungsplan war eine beabsichtigte Erweiterung des bestehenden Betriebs von Weber. Der Bebauungsplan sichert Weber wegen des „Vertrauensschutzes“ einen „aktiven Bestandsschutz“ zu. Erweiterungen und Erneuerungen sind danach aber nur unter dem Vorbehalt eines Verbesserungsgebotes zulässig. Was ist geplant ? Weil das Müllgeschäft floriert will Weber seine Kapazitäten ausweiten und noch mehr vom „Müllkuchen“ profitieren. Mit einem „städtebaulichen Vertrag“ zwischen Weber und der Stadt Bochum soll diese Ausweitung nun geregelt werden. Demnach will Weber den direkten Müllbetrieb von Werne nach Gerthe unter Ausweitung der Kapazität auf 250.000 t Müll verlagern. Weber will die bisherige DSD-Anlage von Rethmann (Remondis) erweitern und nutzen, da Remondis den grünen Verpackungsmüll anderweitig verarbeitet. Rethmann (Remondis ) behält in Gerthe eine Altpapier Anlage. In Werne will Weber die Reinigung und Wartung der Container und LKWs betreiben. Was ist in Gerthe geplant ? Für den Standort „Industriegelände Gewerkenstraße“ gilt der gültige Bebauungsplan Nr. 492 , der eine Aufteilung von unterschiedlichen Nutzungsbereichen vorsieht. (GI = Industrie-gebiet mit hohen Immissionen; GE = Gewerbegebiete und MI = Mischgebiete mit Wohnen und Gewerbe). Die Fa. Remondis will hier weiterhin Papier und Kartonagen verarbeiten, die mit LKWs angeliefert werden, gibt aber seine DSD-Sammel- und Sortieranlage für den Grünen Punkt Müll auf, der außerhalb von Bochum verarbeitet wird. Die Fa. Weber will die bestehende DSD-Anlage von der Fa. Remondis übernehmen, aufstocken und die Halle mit neuen Maschinen ausstatten. Entstehen soll eine große Sammel- und Sortieranlage für Gewerbeabfall, die Holz, Papier, Katonagen, Schrott, Folien, Bauschutt und Nicht-Eisen-Erzeugnisse sortiert, zerkleinert, schreddert und siebt . Der Müll soll mit großen Containern bis zu 40 cbm per LKWs angeliefert, bearbeitet und wieder mit LKWs abtransportiert werden. Das Volumen des zu verarbeitenden Mülls soll im Jahr 250.000 t betragen, etwa das Doppelte wie in Werne . Für die Umbaumaßnahmen ist eine Veränderung des Bebauungsplanes 492, eine Befreiung gem. § 31 Abs. 2 Baugesetzbuch notwendig. Das LKW-Aufkommen in Gerthe soll sich angeblich um durchschnittlich 4 LKWs pro Stunde (= 8 Fahrten) erhöhen. Klarheit über den tatsächlichen LKW-Verkehr können nur Verkehrszählungen geben. In Werne wurden Spitzenwerte von 50 LKWs in der Stunde gezählt. Belästigungen durch Staub, Lärm, Gestank, Dieselruß, Feinstaub, etc. sind erheblich. Weber ist einer der großen Abnehmer von Gewerbemüll aus Holland. 1999 wurden 500.000 t niederländischen Mülls in deutschen Betrieben entsorgt. Im Jahr 2003 hat sich diese Menge schon auf 3,8 Mio Tonnen erhöht. Von dieser Steigerung will auch Weber weiter profitieren. Die nächste „Erweiterung“ von Weber ist also möglicherweise schon absehbar. Der Stadtteil Bochum Gerthe wird im Zuge dieser Entwicklung zu einem Zentrum zur Auf-nahme und Bearbeitung von Europas Müll werden. Wohngebiet Kornstraße Entlang einer der Straßen, über die der Weber-Müll demnächst rollen soll, wird jetzt am Kornweg/Kirchharpener Str. ein neues Wohngebiet geplant. Der entsprechende Bebauungsplan Nr. 351 b – Kornweg/Auf der Tenne soll Ende Oktober beschlossen werden. Derzeit wirbt der Bauträger mit dem Slogan „BeGerthes Wohnen im Grünen“. ----------------- Das Müllproblem in Werne muß gelöst werden. Aber eine Verlagerung des Müll-Konzerns Weber nach Gerthe, verbunden mit einer erheblichen Ausweitung des Betriebes löst das Problem nicht, es wird lediglich dahin verschoben, wo man kaum (! ?) Widerstand erwartet. Die Aufnahme des Weber-Mülls durch das städtische EKOCityCenter in Stahlhausen wäre wirtschaftlich und städtebaulich die beste Lösung.
Aufgeworfen wird hier auch die Frage nach dem volkswirtschaftlichen und ökologischen Nutzen, oder, anders ausgedrückt, des Unsinns des
europa-weiten Mülltourismus Hg.: Soziale Liste Bochum, V.i.s.d.P.: Jürgen Bargmann, Gertrudisplatz 4, 44866 Bochum |